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Ernährung bei PCOS

Polyzystisches Ovarsyndrom

von Peter Frigo (Autor:in) Rhea Jabbour (Autor:in) Christoph Deutsch (Autor:in)
150 Seiten

In Kürze verfügbar

Zusammenfassung

Zahlreiche Studien zeigen, dass mit der richtigen Ernährungsweise das Polyzystische Ovarsyndrom gut therapierbar ist und auch die Fruchtbarkeit wiederhergestellt werden kann.
Dieses Buch zeigt, wie Sie Ihre Ernährung umstellen und die notwendige Einschränkung Ihres Zuckerkonsums unkompliziert in den Alltag integrieren können. Mit vielen Tipps für den Ernährungsalltag und köstlichen Rezepten, vom Frühstück über Hauptspeisen mit und ohne Fleisch bis zum köstlichen Dessert.

Ihr Plus:
- Über 100 abwechslungsreiche Rezepte
- Hilfreiche Infos zu Diagnose und Therapie
- Passende Ernährungsformen im Überblick
- Tipps zu Food Tracking und Ernährungshelfern

Leseprobe

VORWORT

„Lass die Nahrung deine Medizin und Medizin deine Nahrung sein.“
(Hippokrates)

Die Ernährung umzustellen ist oft leichter gesagt als getan. Denn es bedeutet häufig einen großen Schritt. Viele unterschätzen dabei den psychischen Druck und die Belastung, wenn auf die liebsten Speisen und Getränke verzichtet werden soll.

In diesem Buch möchten wir Ihnen zeigen, dass es viele Lebensmittel und Rezepte gibt, die Ihnen diese Umstellungsphase erleichtern und angenehmer machen können.

Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass sich das PCOS mit der richtigen Ernährungsweise gut therapieren lässt und sogar die Fruchtbarkeit wiederhergestellt werden kann. Dieser therapeutische Effekt geht also weit über eine Gewichtsreduktion hinaus und umfasst sowohl metabolische als auch hormonelle Aspekte.

Vorweg sei bemerkt, dass die in diesem Buch vorgestellten Ernährungsformen und Rezepte allgemein gesund und daher zu empfehlen sind. Eine Besserung der Beschwerden ist nicht nur beim PCOS selbst, sondern auch bei anderen Formen einer vermehrten Produktion männlicher Hormone möglich.

Der Verzicht bzw. die Einschränkung des Zuckerkonsums ist nach dem Kampf gegen das Nikotin auch eine neue EU-weite Bewegung, denn Zivilisationskrankheiten wie Adipositas und Diabetes schreiten voran. Mit einer langfristigen Ernährungsumstellung tun Sie Ihrem Körper also rundum Gutes. Dieses Buch kann Sie dabei unterstützen.

Univ.-Prof. Dr. Peter Frigo
für die Autoren

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PCOS: DEFINITION UND VERBREITUNG

Das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS) stellt eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen im gebärfähigen Alter dar, weltweit sind etwa 4–12 Prozent von ihnen betroffen. Die Erkrankung wurde erstmals 1935 von Stein und Leventhal beschrieben.

Die Störung des hormonellen Gleichgewichts führt zu einer erhöhten Produktion männlicher Hormone mit klassischen Zeichen der Vermännlichung (Androgenisierungserscheinungen), wie vermehrter Körperbehaarung, Akne oder Haarausfall (Alopezie), sowie zu Störungen des weiblichen Zyklus, oftmals auch verbunden mit Unfruchtbarkeit und kleinzystischen Eierstöcken im Ultraschall.

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Das PCOS manifestiert sich typischerweise schon während der Pubertät. Betroffen sind demnach vor allem junge Frauen, die zumeist leicht bis stark übergewichtig sind, allerdings gibt es auch einen kleineren Anteil schlanker PCOS-Patientinnen (ca. 10–15 Prozent).

Darüber hinaus ist das PCOS stark mit einer Stoffwechselstörung (metabolischen Störung) in Verbindung mit Insulinresistenz, also einer herabgesetzten Empfindlichkeit gegenüber Insulin, assoziiert. Hauptrisikofaktor für die Entwicklung eines PCOS ist und bleibt daher das Übergewicht, insbesondere die bauchbetonte Adipositas, die eine zentrale Rolle in der Entstehung der Insulinresistenz spielt, auch wenn diese auch bei dünnen PCOS-Patientinnen oftmals vorhanden ist.

Des Weiteren wurde das PCOS mit einem erhöhten Risiko für metabolische Störungen, wie Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus Typ II, sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang gebracht.

Ursachen für das PCOS

Für die Entstehung des PCOS scheint das Zusammenspiel verschiedener Faktoren verantwortlich zu sein. Neben einer genetischen erblichen Vorbelastung (Polymorphismen) spielen vor allem Umwelt- und Lifestyle-Faktoren eine große Rolle. Von nennenswerter Bedeutung sind hier:

images Erhöhte Insulinspiegel infolge von Insulinresistenz (kompensatorische Hyperinsulinämie), die durch die bauchbetonte Adipositas verstärkt werden

images Fehlfunktionen innerhalb hormoneller Regelkreisläufe im Sinne einer erhöhten Ausschüttung von LH (Luteotropes Hormon) aus der Hirnanhangsdrüse, die in weiterer Folge eine verstärkte Produktion männlicher Hormone (Androgene) in den Eierstöcken bewirkt

images Fehlfunktionen innerhalb der Eierstöcke selbst, die zu einer erhöhten Androgenproduktion der Eierstöcke führen. Ursachen hierfür sind einerseits die gesteigerte Stimulation durch LH, andererseits die gestörte Hormonsynthese aufgrund verschiedener Enzymfehlfunktionen. Dazu kommen die bereits erwähnten erhöhten Insulinspiegel infolge von Insulinresistenz. Insulin stimuliert die Schlüsselenzyme der Androgensynthese und hemmt die Produktion von SHBG (Sexualhormonbindendes Globulin) in der Leber. SHBG ist jedoch das Bindungsprotein für Testosteron im Blut. Eine verminderte SHBG-Produktion führt daher zu einem erhöhten Spiegel ungebundenen, freien Testosterons und verstärkt somit die erhöhten Androgenspiegel im Blut.

In der Tat stellen beim PCOS die Eierstöcke die Hauptquelle des Androgenüberschusses dar. Diese sogenannte funktionelle ovarielle Hyperandrogenämie (FOH) wird bei > 70 % der Patientinnen beobachtet. Allerdings weist ca. die Hälfte der Patientinnen auch eine erhöhte Androgenproduktion aus der Nebennierenrinde auf. In beiden Fällen wird die überschießende Hormonproduktion durch Enzymfehlfunktionen verursacht.

Insulinresistenz bei PCOS

Das PCOS ist gekennzeichnet durch eine Insulinresistenz in Fettgewebe, Muskeln und Leber, aber einer erhöhten Insulinempfindlichkeit in den Eierstöcken, wodurch es zu der bereits erwähnten gesteigerten Androgensynthese und schließlich zur Hyperandrogenämie kommt.

Wie entsteht jedoch diese Insulinresistenz?

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Das Übergewicht, insbesondere die bauchbetonte Adipositas, spielt eine zentrale Rolle in der Entstehung der Insulinresistenz. Dabei unterscheidet man das subkutane vom viszeralen Fettgewebe, das die Organe in der freien Bauchhöhle umhüllt und durch die Messung des Bauchumfangs bestimmt wird. Ein erhöhter Taillenumfang (> 80 cm bei Frauen) ist somit ein Marker für ein höheres viszerales Fettgewebe und stellt einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Atherosklerose (sog. „Gefäßverkalkung“) oder Diabetes mellitus Typ II dar.

Viszerales Fettgewebe ist nämlich metabolisch aktiv und setzt u. a. freie Fettsäuren (FFS), Adipokine und inflammatorische Zytokine wie TNF-α frei. Es ist somit eine Entzündungsquelle, eine Schlüsselkomponente in der Entstehung der Atherosklerose.

Ist dieses viszerale Fettgewebe nun erhφht, werden im Rahmen eines gesteigerten Fettabbaus vermehrt FFS ausgeschüttet, die dann über die Pfortader in die Leber gelangen. Diese hohe Konzentration an FFS in der Pfortader führt zu einer Stφrung der Leberfunktion und des Insulinsignalwegs und bewirkt somit Fettstoffwechselstφrungen, erhφhte Insulinwerte und Insulinresistenz, was mit einem hφheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vergesellschaftet ist.

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Magnetresonanzaufnahme des Bauches mit Darstellung des inneren (viszeralen) Fettes (roter Pfeil)

Insulinresistenz bedeutet also, dass Insulin weniger effizient an der Zielzelle wirkt. Dadurch ist die Insulinvermittelte Glukoseaufnahme in Fett- und Muskelzellen vermindert. Darüber hinaus bewirkt die gestörte Leberfunktion eine erhöhte Glukose- und Triglyzeridproduktion in der Leber. Somit kommt es zu einem Überangebot an Glukose, und der Blutzuckerspiegel steigt. Folglich wird mehr Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet. Die dadurch entstandene Hyperinsulinämie stimuliert die Androgenproduktion in den Eierstöcken und trägt so zur Hyperandrogenämie bei.

Derselbe Effekt entsteht durch falsche Ernährung. Wird dem Körper zu viel Glukose in Form von Zucker oder Kohlenhydraten zugeführt, reagiert er mit einer erhöhten Insulinausschüttung, die schließlich die Hyperandrogenämie beim PCOS verstärkt und eine schon vorhandene Insulinresistenz weiterhin aufrechterhält. Diese Insulinresistenz ist jedoch durch richtige Ernährung deutlich verbesserbar.

Diagnose von PCOS

Die Diagnose des PCOS erfolgt international anhand der sogenannten „Rotterdam ESHRE/ASRM-Kriterien“. Gemäß diesen Rotterdam-Kriterien wird das PCOS durch drei Hauptmerkmale definiert, von denen zwei für die Diagnosestellung ausreichen:

images Klinische und/oder biochemische Zeichen des Hyperandrogenismus: Akne, verstärkte und typisch männliche Behaarung (Hirsutismus) und/oder erhöhte Androgenspiegel im Blut (Hyperandrogenämie)

images Oligo- oder Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs) mit Zyklusstörungen (seltene bis gar keine Menstruationsblutung)

images Polyzystische Ovarien: kleinzystische Eierstöcke im Ultraschall

Das PCOS bleibt jedoch eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, für eine sichere Diagnose müssen andere Ursachen für Hyperandrogenismus oder für das Ausbleiben der Monatsblutung ausgeschlossen werden. Beim Hyperandrogenismus sind das z. B. das Adrenogenitale Syndrom, die Nebennierenhyperplasie, Androgen-sezernierende Tumore oder das Cushing-Syndrom. Bei Ausbleiben der Monatsblutung sind Hyperprolaktinämie (erhöhte Prolaktinausschüttung), Schilddrüsenerkrankungen oder Anorexie (Magersucht) auszuschließen.

Anhand der Rotterdam-Kriterien können vier verschiedene PCOS-Erscheinungsformen unterschieden werden, je nachdem, ob alle drei diagnostischen Kriterien erfüllt werden (klassisches PCOS) oder nur zwei, die dann je nach Kombination die Phänotypen 2–4 definieren (siehe Grafik unten). Wesentlich ist dabei, dass das Vorkommen bauchbetonter Adipositas, metabolischer Erkrankungen und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Phänotyp 1 bis 4 generell abnimmt, genauso wie die Schwere des Hyperandrogenismus und der Zyklusunregelmäßigkeiten.

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Hormonstatus: wichtige Blutwerte

images Hyperandrogenämie: Freies Testosteron, Gesamttestosteron, Androstendion, Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEAS) und SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) Als sensitivste Methode für die Bestimmung der Hyperandrogenämie gilt freies Testosteron bzw. der Free Androgen Index. Ein erhöhtes Gesamttestosteron bzw. erniedrigtes SHBG ist ebenfalls Zeichen einer Hyperandrogenämie. Auch das DHEAS kann erhöht sein und würde auf eine gesteigerte Androgenproduktion der Nebenniere hindeuten, wie sie bei über 50 % der Patientinnen sichtbar ist. Bei schwereren klinischen Ausprägungen von PCOS ist darüber hinaus das Androstendion erhöht, was bei erhöhter Androgenproduktion sowohl aus den Eierstöcken als auch aus den Nebennieren vorkommen kann.

images Erhöhte LH/FSH Ratio > 2
PCOS-Patientinnen weisen oftmals eine Erhöhung des LH bei relativ normalen FSH-Werten (Follikelstimulierendes Hormon) auf. Daher kann die Erhöhung des Quotienten dieser beiden Steuerungshormone zur Bestätigung eines PCOS-Verdachts herangezogen werden, auch wenn sie definitionsgemäß nicht mehr zu den diagnostischen Kriterien zählt, da LH z. B. bei Übergewicht eher im Normbereich ist und PCOS-Patientinnen häufig übergewichtig sind.

images Erhöhung des Anti-Müller-Hormons (AMH)
Wichtig ist auch die Bestimmung des AMH, das von wachsenden Follikeln in den Eierstöcken abgesondert wird und die Fruchtbarkeit einer Frau anzeigt. Eine starke Erhöhung des AMH (typischerweise auf das 2- bis 4-Fache) ist ein deutlicher Hinweis auf das Vorliegen eines PCOS und kann daher bei der Diagnosesicherung in unklaren Fällen ebenfalls herangezogen werden.

images Progesteron und 17-Beta-Östradiol
Der Progesteronspiegel ist beim PCOS typischerweise erniedrigt, wohingegen Östradiolspiegel normalerweise relativ im Normbereich sind.

Transvaginaler Ultraschall

Eine gynäkologische Untersuchung mit einem transvaginalen Ultraschall der Eierstöcke (alternativ vom Bauch aus – Abdominalultraschall) gehört ebenfalls zur Diagnosesicherung eines PCOS. Im Ultraschall sind zumeist mehrere kleine Zysten in den Eierstöcken zu finden.

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Transvaginaler Ultraschall bei einer PCOS-Patientin: Polyzystische Eierstöcke (rote Pfeile)

Metabolische Abklärung

Aufgrund des höheren Risikos für metabolische Störungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei allen PCOS-Patientinnen eine umfassende metabolische Abklärung notwendig. Diese umfasst:

images Blutdruck

images Body-Mass-Index

BMI = Körpergewicht (kg)/Größe (m)2

Kategorie BMI (kg/m2)
Untergewicht < 18,5
Normalgewicht 18,5–24,9
Übergewicht (Präadipositas) 25,0–29,9
Adipositas Grad I 30,0–34,9
Adipositas Grad II 35,0–39,9
Adipositas Grad III (Adipositas per magna) > 40,0

images Bauchumfang: Noch wichtiger zur Einschätzung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind der Taillenund Hüftumfang und das sich daraus ergebende Taille-Hüft-Verhältnis, auch waist-hip ratio (WHR) genannt. So lässt sich die bauchbetonte Adipositas, die einen Hauptrisikofaktor darstellt, besser quantifizieren.

WHR = Taillenumfang (cm)/Hüftumfang (cm)

Taillenumfang bei Frauen Bedeutung
60–80 cm Super!
80–88 cm Achtung!
88–150 cm Stopp, Risiko!

images Fettstoffwechsel: Triglyzeride, LDL-, HDL-, Gesamtcholesterin

images Glukosestoffwechsel: Glukose- und Insulinprofil inkl. HbA1c (Langzeit-Blutzucker) und C-Peptid, dessen Erhöhung einen Hinweis auf gesteigerte Insulinsekretion darstellt.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Zur Feststellung des gestörten Zuckerstoffwechsels und des Insulinüberschusses (Hyperinsulinämie) empfiehlt sich ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT, Zuckerbelastungstest). Dieser wird von jedem Labor durchgeführt. Die Patientin sollte dabei nüchtern sein und bekommt 75 g Glukose (in 300 ml Wasser) zu trinken. Zu Beginn und nach zwei Stunden werden Blutzucker und Insulinspiegel gemessen. Dabei gelten folgende Normalwerte für den Blutzuckerspiegel:

images nüchtern (vor dem Trinken der Glukoselösung): < 100 mg/dl

images zwei Stunden nach Trinken der Lösung: < 140 mg/dl Hier ein Überblick über die Interpretation des oGTT und der HbA1c-Werte:

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HOMA-Index

Die Insulinempfindlichkeit wird anhand des sogenannten „HOMA-Index“ ermittelt. Dieser errechnet sich aus dem Nüchternblutzucker und dem Nüchterninsulinspiegel nach 12-stündiger Nahrungskarenz wie folgt:

HOMA-IR = (Nüchterninsulinspiegel (μU/mL) x Nüchternblutzucker (mg/dL))/405 oder

HOMA-IR = (Nüchterninsulinspiegel (μU/mL) x Nüchternblutzucker (mmol/L))/22,5

Damit kann das Risiko für eine Insulinresistenz bestimmt werden.

Stadium HOMA-Index Interpretation
1 < 2,0 Insulinresistenz ist eher unwahrscheinlich
2 2,0–2,5 Hinweis auf eine mögliche Insulinresistenz
3 2,5–5,0 Insulinresistenz ist sehr wahrscheinlich
4 > 5,0 Insulinresistenz ist vorhanden; Durchschnittswert bei Diabetes mellitus Typ II

PCOS und gesundheitliche Risiken

Wie bereits erwähnt, hat das PCOS neben kosmetischen Folgen und Zyklusstörungen auch weitere gesundheitliche Auswirkungen. Patientinnen mit PCOS weisen nämlich im klinischen Bild ein erhöhtes Risiko für metabolische Störungen auf:

images bauchbetonte Adipositas

images Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) mit erhöhten Spiegeln von Triglyzeriden und LDL-Cholesterin sowie erniedrigten HDL-Cholesterin-Werten

images gestörte Glukosetoleranz, Schwangerschaftsdiabetes, Diabetes mellitus Typ II

images Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

images Insulinresistenz mit kompensatorischer Hyperinsulinämie (50–70 % der Fälle)

images 11-fach erhöhtes Vorkommen des Metabolischen Syndroms, auch Syndrom X genannt

All die genannten Punkte sind typische Risikofaktoren für frühzeitige systemische Atherosklerose und in weiterer Folge für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Definition des Metabolischen Syndroms laut International Diabetes Federation (IDF)

bauchbetonte Adipositas mit Taillenumfang > 80 cm bei Frauen

Zusätzlich zwei der vier folgenden Kriterien:

erhöhte Triglyzeride ≥ 150 mg/dl bzw. medikamentöse Therapie dieser Fettstoffwechselstörung

erniedrigtes HDL-Cholesterin < 50 mg/dl bei Frauen bzw. medikamentöse Therapie dieser Fettstoffwechselstörung

erhöhter Blutdruck ≥ 130 mmHg systolisch oder ≥ 85 mmHg diastolisch bzw. medikamentöse Therapie des Bluthochdrucks

Nüchternblutzucker ≥ 100 mg/dl oder Diabetes mellitus Typ II

Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Tatsächlich scheinen Patientinnen mit PCOS schon in jungen Jahren Zeichen einer frühzeitigen systemischen Atherosklerose („Gefäßverkalkung“) aufzuweisen. In zahlreichen Studien zeigte sich bei ihnen eine erhöhte Wanddicke der Halsschlagader, die sogenannte „Intima-Media-Dicke“ der Carotis, die als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt.

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Messung der Intima-Media-Dicke der Halsschlagader (Carotis, CIMT)

Es wird vermutet, dass die kardiovaskulären Risikofaktoren, die im Rahmen dieses Syndroms bereits im jugendlichen Alter auftreten (z. B. erhöhte Cholesterinwerte), langfristige Auswirkungen auf das Gefäßsystem haben könnte n. Insulin übt nämlich eine gefäßverkalkende Wirkung aus, indem es die Fettablagerung in den Blutgefäßen fördert. Darüber hinaus reguliert Testosteron den Fettstoffwechsel, indem es die Freisetzung freier Fettsäuren aus dem viszeralen Fettgewebe stimuliert, die in weiterer Folge eine Fettstoffwechselstörung und Insulinresistenz fördern.

Außerdem scheint Testosteron mit sogenannten advanced glycation end products (AGEs) assoziiert zu sein. Diese entzündungsfördernden und oxidativen Mediatoren entstehen durch die Verzuckerung (Glykosilierung) von Proteinen oder Fetten und können gefäßverkalkend wirken. Dies trägt möglicherweise zur Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim PCOS bei.

Tatsächlich fanden sich in aktuellen Studien hohe Spiegel von AGEs im Falle von Insulinresistenz, Diabetes mellitus, Atherosklerose und PCOS.

Beim PCOS scheint es nun so zu sein, dass sich AGEs in den Eierstöcken ansammeln können, was in der Folge zu Zyklusstörungen führt. Außerdem bewirken sie eine Entzündungsreaktion und eine Störung des Insulinsignalwegs und des Glukosetransports, was eine Insulinresistenz mit erhöhten Insulin- und Blutzuckerspiegeln sowie Übergewicht bewirkt. Die entstandene Hyperinsulinämie verstärkt auch die Hyperandrogenämie und somit die klinische Ausprägung des PCOS.

Schlafapnoe

Besonders übergewichtige PCOS-Patientinnen weisen häufig eine Schlafapnoe (Atmungsstörungen im Schlaf) auf. Dies sollte im Schlaflabor weiter abgeklärt werden.

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THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Das allgemeine Ziel bei PCOS ist die Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts, ebenso wie die Verbesserung der Stoffwechselsituation mit Verminderung der Insulinresistenz. Hierbei unterscheiden wir in erster Linie zwischen der medizinisch-klinischen Therapie mittels Medikamenten und Nahrungsergänzungspräparaten einerseits und der Therapie durch Ernährungsumstellung und Diäten andererseits.

Medizinisch-klinische Therapie

Myo-Inositol, das „natürliche Metformin“ (siehe unten): Myo-Inositol spielt eine wichtige Rolle als sekundärer Botenstoff im Insulinsignalweg und bewirkt eine erhöhte Glukoseaufnahme in den Zellen. Dadurch führt es zu einer verbesserten Insulinempfindlichkeit und unterstützt das hormonelle Gleichgewicht, indem es LH-, Androgen- und CRP-Spiegel (C-reaktives Protein) vermindert und einen regelmäßigen Zyklus wiederherstellt. Es ist im Nahrungsergänzungsmittel Gesdine® in Kombination mit Folsäure enthalten.

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Metformin: Metformin (Glucophage®), das typischerweise bei Diabetes mellitus Typ II verwendet wird, kann auch bei PCOS im sogenannten „off-label use“ (Zulassung für eine andere Diagnose) zur Therapie der Insulinresistenz angewendet werden. Es ist ein Insulin-Sensitizer, der die Glukoseneubildung in der Leber sowie die Glukoseaufnahme aus dem Darm hemmt und die Insulinempfindlichkeit von Geweben verbessert, indem es den Glukosetransport aus dem Blut in Zellen erhöht. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel gesenkt, durch die verbesserte Insulinsensitivität wird der Insulinspiegel verringert und folglich die Androgenproduktion in den Eierstöcken reduziert. Zyklusstörungen werden oftmals aufgehoben und der Eisprung wird wiederhergestellt. Metformin wirkt sich zudem positiv auf Fettstoffwechsel und Blutdruck aus. Auch schlanke PCOS-Patientinnen ohne ausgeprägte Stoffwechselstörung scheinen von einer Metformin-Therapie zu profitieren, was den Zusammenhang zwischen PCOS und einer metabolischen Störung verdeutlicht. Dieser Effekt könnte auf die Reduktion von AGEs und CRP durch Metformin zurückzuführen sein.

Hormontherapie

Orale Kontrazeptiva (Pille): Bei PCOS-Patientinnen ohne aktuellen Kinderwunsch können hormonelle Empfängnisverhütungsmittel auch therapeutisch eingesetzt werden. Ziel ist es, das Hormonungleichgewicht mit LH-Erhöhung und Androgenüberschuss zu korrigieren und den Menstruationszyklus zu normalisieren. So unterdrücken Pillen mit einem niedrigen Ethinylöstradiolgehalt (EE: 20 oder 30 μg) und einem antiandrogen wirksamen Gestagen die Eierstockaktivität durch LH-Reduktion und hemmen in der Folge die Produktion von Androgenen. Darüber hinaus stimuliert das EE die SHBG-Produktion, wodurch die Androgenspiegel weiter gesenkt werden. Alternativ zum EE gibt es auch zwei Pillen auf dem Markt, die das natürliche Östradiol beinhalten (Zoely®, Qlaira®).

Antiandrogene: Antiandrogene, wie Spironolacton, Flutamid, Cyproteronacetat (CPA) oder Finasterid werden oft zusätzlich zu oralen Kontrazeptiva zur Behandlung eines Hirsutismus verwendet, da sie an den Haarfollikeln androgenhemmend wirken.

Cortison: Zur Therapie einer überschießenden Androgenproduktion aus der Nebennierenrinde können Kortikosteroide angewendet werden.

Helfer aus der Natur

Silberkerze (Cimicifuga racemosa): Kann Beschwerden, vor allem Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe), lindern und den Zyklus normalisieren.

Mönchspfeffer (Agnus castus): Dieser Prolaktinhemmer senkt die männlichen Hormone und wirkt sich positiv auf den Glukosestoffwechsel aus.

Medikamente zur Gewichtsreduktion

Eine Optimierung des Körpergewichts ist Teil der Therapie.

Liraglutid: Liraglutid (Saxenda®) ist ein Glucagon-like Peptide-I-(GLP-I-)Analogon und wird zur Gewichtsreduktion bei Übergewicht ab einem BMI von 30 kg/m2 (bzw. BMI ≥27kg/m2 im Falle von Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung) angewendet. Es verstärkt die glukoseabhängige Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse und hemmt gleichzeitig die Produktion des Gegenspielers Glukagon, wodurch der Blutzuckerspiegel gesenkt wird. Darüber hinaus verzögert es die Magenentleerung und erhöht das Sättigungsgefühl.

Humanes Choriongonadotropin (HCG): Eine Therapie mit diesem Schwangerschaftshormon ist bei PCOS mit erhöhten männlichen Hormonen nicht sinnvoll, da durch HCG die männlichen Hormone erhöht werden können.

Wachstumshormon (Human Growth Hormone, HGH): Eine Gewichtsabnahme mit Hilfe von Wachstumshormon ist nur bei Wachstumshormonmangel sinnvoll. Dieser tritt manchmal bei älteren Menschen auf, bei jüngeren unter anderem bei Schäden an der Hirnanhangsdrüse (z. B. nach Unfällen).

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Kosmetische Aspekte bei PCOS

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Akne

Der Aknebehandlung stehen in erster Linie kosmetische Behandlungen, wie Fruchtsäure-Peelings oder Dermabrasion, sowie lokale Behandlungen (z. B. Hormoncremen) zur Verfügung. Bei stärker ausgeprägter Akne kann die Einnahme von Isotretinoin, einer Vitamin-A-Form, über mehrere Monate als Kur eingesetzt werden. Dabei muss jedoch auf ausreichende Verhütung geachtet werden, da dieses Präparat im Falle einer Schwangerschaft eine fruchtschädigende (teratogene) Wirkung hat. Alternativ kann auch die Einnahme einer Kombinationspille, insbesondere mit einem Gestagen mit antiandrogener Wirkung, durch die Herabsetzung der männlichen Hormone positiv auf das Hautbild wirken.

Hirsutismus (vermehrte Körperbehaarung)

Gegen die unerwünschte übermäßige Behaarung können klassische Methoden der Haarentfernung wie Rasieren, Enthaarungscremes, Kalt- oder Warmwachsepilation oder die dauerhafte Haarentfernung mittels IPL oder Laser angewendet werden. Auch das Bleichen des Haarflaums, insbesondere auf der Oberlippe, kommt in Frage.

Außerdem können die klassische Pille oder Antiandrogene eingesetzt werden.

Hinweis: Nikotin stimuliert die Haarwurzel. Daher empfiehlt es sich, den Nikotinkonsum einzuschränken oder mit dem Rauchen aufzuhören.

Alopezie (Haarverlust)

Bei der Alopezie unterscheidet man hauptsächlich zwischen der androgenen (männlichen) Alopezie und der diffusen Alopezie, die z. B. im Alter, bei Schilddrüsenunterfunktion oder erniedrigten Östrogenwerten auftreten kann. Zur Behandlung der androgenen Alopezie eignet sich z. B. eine lokale Therapie mittels Finasterid- oder Minoxidil-Haarwasser.

PCOS und Kinderwunsch

Wie bereits erwähnt, geht das PCOS oft mit einem unerfüllten Kinderwunsch einher. Ein PCO-Syndrom bedeutet aber nicht gleich, schlecht oder gar nicht fruchtbar zu sein: Dies kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin durch eine Blutabnahme und ein sogenanntes Zyklusmonitoring feststellen.

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Zur Verbesserung der weiblichen Fertilität werden oftmals Myo-Inositol und Folsäure eingesetzt, die in dem Nahrungsergänzungsmittel Gesdine® enthalten sind (1 Beutel enthält 2 g Myo-Inositol und 200 μg Folsäure, Tagesdosis: 2 Beutel). Myo-Inositol steigert die Insulinempfindlichkeit und unterstützt das hormonelle Gleichgewicht. Zusätzlich ist die Einnahme von Folsäure bei Kinderwunsch zu empfehlen, da Folsäure eine wichtige Rolle bei der Zellteilung und Blutbildung spielt und folglich die gesunde Entwicklung des Kindes unterstützt.

Ziel der Behandlung eines unerfüllten Kinderwunsches ist es, bei Betroffenen einen Eisprung (Ovulation) auszulösen. Ob ein natürlicher Eisprung stattfindet, kann entweder durch einen Selbsttest (Harntest) oder durch eine Blutabnahme (LH-Östradiol-Bestimmung) und einen Ultraschall (Anzahl und Größe der Eifollikel) bestimmt werden.

Erster Therapieschritt ist die Gewichtsabnahme bei Übergewicht, da sich ein normaler BMI positiv auf die Fruchtbarkeit der Frau auswirkt. Auch Metformin kann aufgrund der verbesserten Insulinsensitivität den Eisprung wiederherstellen. Andererseits stehen verschiedene medikamentöse Therapien zur Auslösung eines Eisprungs zur Verfügung, wie Clomiphen, das schon jahrzehntelang in Verwendung ist, Letrozol sowie Gonadotropine (FSH/LH zur Follikelstimulation) und GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon).

Darüber hinaus kann, wenn der Ultraschall polyzystische Eierstöcke zeigt, bei Ausbleiben eines Eisprungs die sogenannte Ovarstichelung (Laparoscopic Ovarian Drilling, LOD) angewendet werden. Hier werden einzelne Zysten in den Eierstöcken operativ aufgestochen und damit entfernt.

Im Normalfall führt eine Stimulation mit Clomiphen nach einigen Zyklen (Monaten) zu einer Schwangerschaft, wenn keine Zusatzprobleme auftreten, wie z. B. verschlossene Eileiter oder ein schlechter Samenbefund.

Bei ausbleibendem Erfolg kann eine künstliche Befruchtung mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) in Betracht gezogen werden. Bei der künstlichen Befruchtung werden Eizellen über eine Punktionsnadel gewonnen und außerhalb des Körpers mit den Spermien des Partners befruchtet. Im Normalfall werden ein bis maximal zwei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt.

Prepare for Pregnancy
(Vorbereitung für eine Schwangerschaft)

Optimierung des Körpergewichts: Erhaltung der körperlichen Fitness und Normal- bzw. Idealgewicht sind wichtige Voraussetzungen für eine unkomplizierte Schwangerschaft. Bei Übergewicht (und weiterer Gewichtszunahme in der Schwangerschaft) kann es zu gesundheitlichen Problemen wie Blutdruckanstieg oder Schwangerschaftsdiabetes bis hin zu Schwierigkeiten bei der Geburt kommen.

Vitamineinnahme vor, während und nach der Schwangerschaft: Prinzipiell werden für den Kinderwunsch und die Schwangerschaft bereits einige Vitamin-Mineralstoff-Kombinationen angeboten – ähnlich den Multivitaminpräparaten. Darauf sollten Sie achten:

images Tägliche Einnahme von 400 μg Folsäure, um Fehlbildungen des Zentralnervensystems zu verhindern (Spaltmissbildungen – offener Rücken). Beginnen Sie mindestens einen Monat vor Kinderwunsch mit der Einnahme von Folsäure bis inklusive der 12. Schwangerschaftswoche.

images Eine zusätzliche Einnahme von 150 μg Jod täglich ist allgemein ab Beginn des Kinderwunsches bis zu 6 Monaten nach der Geburt zu empfehlen. Das dient zur Unterstützung einer guten Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft und während des Stillens. Vorsicht bei Schilddrüsenerkrankungen!

images Ausreichender Vitamin-D3-, Vitamin-B12- und Eisenspiegel (Ferritin): am besten noch vor der Schwangerschaft durch einen Labortest überprüfen lassen und gegebenenfalls optimieren.

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Impfungen, da Impfungen während der Schwangerschaft möglich, jedoch nicht ideal sind: Lassen Sie Ihren Schutz gegen eine Rötelninfektion bei Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin bzw. im Labor überprüfen. Bei fehlendem Schutz sollte eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung erfolgen. Fehlende Schutzimpfungen im Impfpass sollten möglichst vor Eintritt einer Schwangerschaft nachgeholt werden. Besonders wichtig ist dabei die Varizellen-Schutzimpfung. Vor und auch während der Grippesaison (Oktober bis März) wird die Durchführung der Influenza-Schutzimpfung eindeutig empfohlen. Eine Grippe während der Schwangerschaft kann einen besonders schweren Verlauf nehmen.

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Eine Covid-19-Impfung sollte ebenfalls bereits vor der Schwangerschaft durchgeführt werden, da auch eine Covid-19-Infektion in der Schwangerschaft einen schweren Verlauf haben kann. Bei besonderer Gefährdung (z. B. Gesundheitsberufe) oder wenn Ihr Partner Hepatitis B hat, ist auch eine Hepatitis-BImpfung durch Arzt oder Ärztin wichtig.

Die Bestimmung der Blutgruppe und die Ausstellung eines Blutgruppenausweises durch ein Labor sind ebenfalls anzuraten. Auf Nikotin und Alkohol sollte in jedem Fall während der Schwangerschaft verzichtet werden.

Therapie durch Lebensstilveränderung

PCOS-Patientinnen weisen ein höheres Risiko für metabolische Störungen, Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Eine frühzeitige Lebensstilveränderung, das heißt Ernährungsumstellung, Bewegung und Nikotinentzug, wirkt sich positiv auf Fettstoffwechsel, Blutdruck und Insulinresistenz aus und ist daher essenziell zur Vorbeugung langfristiger gesundheitlicher Auswirkungen und Folgeerkrankungen.

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Da Übergewicht und Bewegungsmangel die Insulinresistenz fördern, sollte bei PCOS-Patientinnen ein Normalgewicht mit Verminderung des Bauchfetts durch regelmäßige körperliche Aktivität und Ernährungsumstellung angestrebt werden. Dadurch verbessert sich die Insulinempfindlichkeit der Gewebe, Insulin kann besser an der Zielzelle wirken und es werden niedrigere Spiegel benötigt. Schon eine geringe Gewichtsreduktion bewirkt bei übergewichtigen Patientinnen eine Verbesserung der Insulinsensitivität und führt somit zu einer Senkung erhöhter männlicher Hormone mit verbesserter Funktion der Eierstöcke und damit auch der Fertilität.

Den schnellsten Effekt einer Gewichtsabnahme erzielt man mit einer kohlenhydratreduzierten Diät (Low-Carb-Diät), allerdings kann es gerade bei dieser Ernährungsweise nach Absetzen zu einem starken Jojo-Effekt kommen. Daher sollte statt einer Crash-Diät eine generelle Ernährungsumstellung mit wenig Zucker bzw. Kohlenhydraten erfolgen.

Da das PCOS eng mit einer metabolischen Störung verbunden ist, profitieren auch normalgewichtige PCOS-Patientinnen von einem gesünderen Lebensstil mit veränderten Ernährungsgewohnheiten und sportlicher Aktivität.

ERNÄHRUNGSTHERAPIE

Ernährungsgrundlagen

Regulation des Blutzuckerspiegels

Insulin ist ein wichtiges Polypeptidhormon und wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es senkt den Blutzucker, indem es die Zuckeraufnahme in die Zellen fördert, in denen Glukose dann als Glykogen gespeichert wird. Darüber hinaus kurbelt Insulin die Fett- und Eiweißsynthese an. In der Bauchspeicheldrüse wird auch der Gegenspieler von Insulin, das Hormon Glukagon, gebildet. Dieses hat die entgegengesetzte Wirkung (Antagonist). Bei Stress kann Cortisol aus der Nebenniere vermehrt Glukose aus dem gespeicherten Glykogen freisetzen und damit auch den Blutzuckerspiegel erhöhen.

Eine ausgewogene, regelmäßige Ernährung hilft, den Blutzucker- und damit den Insulinspiegel zu regulieren. Die folgende Abbildung veranschaulicht die Zusammensetzung einer ausgewogenen Ernährung.

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Das Fundament bildet eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch alkoholfreie und zuckerfreie Getränke. Als Faustregel gelten hierfür 1,5–2 Liter täglich.

Im nächsten Stockwerk finden sich Obst und Gemüse. Diese Lebensmittel sind unsere wichtigsten Vitaminlieferanten, enthalten viele Mineral- und Botenstoffe und haben eine hohe Nährstoffdichte. Grüne Gemüsesorten zum Beispiel sorgen für einen ausgeglichenen Folsäurespiegel. Weitere wichtige Elemente sind Vitamin B12, Vitamin C und diverse Spurenelemente.

Im Stockwerk darüber finden sich Getreideprodukte, Backwaren, Kartoffeln etc. Sie sind Kohlenhydratlieferanten. Hierbei gilt es zu unterscheiden:

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Je hochwertiger die Saccharide (Zucker) sind, die wir unserem Körper zuführen, desto besser funktioniert er. Das bedeutet, dass wir vorwiegend auf eine polysaccharid- bzw. ballaststoffreiche Ernährung achten sollten.

Eine Etage höher befinden sich die Eiweiße (Proteine). Sie sind der wichtigste Grundbaustein für unsere Muskulatur und für viele Stoffwechselprozesse mitverantwortlich.

Die optimale Eiweißzufuhr beträgt ca. 0,8–1 g pro Kilogramm Körpergewicht. Bei sportlich sehr aktiven Menschen ist der Bedarf höher.

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Ermittlung des täglichen individuellen Eiweißbedarfs

1) Eiweißbedarf je nach Aktivitätsgrad definieren

Eiweißbedarf/Tag Aktivitätsgrad
0,8–1 g/kg Körpergewicht bei normaler körperlicher Aktivität
1–1,2 g/kg Körpergewicht bei gesteigerter Aktivität, ab 65 Jahren
1,2–1,7 g/kg Körpergewicht bei hoher körperlicher Aktivität, zum gezielten Muskelaufbau, bei mangelhaftem Ernährungszustand

2) Errechnen der täglich benötigten Eiweißmenge

Eiweißmenge pro Tag (g) = Körpergewicht (kg) × Eiweißbedarf pro Tag (g)
Beispiel: 70 kg × 1,2 g Eiweiß = 84 g Eiweiß pro Tag

Bei Über- oder Untergewicht sollte jedoch zur Korrektur das für die jeweilige Körpergröße entsprechende Normalgewicht gemäß dem Broca-Index verwendet werden:

Normalgewicht (kg) = Körpergröße (cm) – 100

Die gängigste Art, Eiweiß zuzuführen, erfolgt über tierische Produkte, da diese den höchsten Eiweißgehalt in der Relation zur Menge aufweisen. Bei einer vegetarischen oder veganen Ernährung muss eine höhere Menge an Lebensmitteln zugeführt werden, um denselben Eiweißgehalt zu erzielen.

Darüber hinaus spielt die biologische Wertigkeit der Proteine eine Rolle. Sie beschreibt, wie hoch der Eiweißgehalt des Produktes ist, den der Körper aufnehmen kann. Hier einige Beispiele:

Lebensmittel Biologische Wertigkeit
Molkenprotein 104–110
Hühnerei 100
Thunfisch 92
Kuhmilch 88
Schweinefleisch 85
Sojaprotein 84–86
Rindfleisch 80
Bohnen 72
Reis 66

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Im Stockwerk 5 der Ernährungspyramide finden sich die Fette und Öle. Die wichtigsten Fette sind in der Grafik oben aufgelistet.

An der Spitze schließlich finden sich die „Genussmittel“. Darunter fallen unter anderem alkoholische Getränke, Limonaden, Süßigkeiten, Kuchen und Torten etc.

Genussmittel haben zwar für den Organismus aus gesundheitlicher Hinsicht die schlechteste Auswirkung, jedoch für das Belohnungszentrum und unser persönliches Empfinden den höchsten Wert. Aus diesem Grund fällt der Verzicht darauf am schwersten.

Niederglykämische Ernährungstherapie: Zuckerarme Ernährungsweise, Low Carb

In der Tat wurde in den letzten Jahrzehnten der Zusammenhang zwischen der Ausprägung des PCOS und einer kohlenhydratreichen Ernährung offensichtlich und folglich die Reduktion der Kohlenhydratzufuhr Teil des PCOS-Managements. Diese sogenannte niederglykämische Ernährungsform wirkt sich nämlich positiv auf Insulinspiegel, Insulinresistenz und Gewicht aus und bewirkt eine Senkung der Triglyzerid- und Androgenproduktion.

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Ziel der Ernährungstherapie ist es also, die Insulinempfindlichkeit zu erhöhen und somit den Insulinspiegel zu senken. Dies geschieht einerseits durch die Gewichtsreduktion an sich, da ein Gewicht im optimalen BMI-Bereich häufig schon zu einer verbesserten metabolischen Situation und oftmals z. B. zur Erfüllung des Kinderwunsches beiträgt sowie langfristig das Risiko für metabolische Störungen (z. B. Diabetes mellitus Typ II) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.

Andererseits zielt die niederglykämische Ernährungsweise darauf ab, überschießende Blutzuckererhöhungen nach einer Mahlzeit (postprandial) und somit Insulinspitzen zu vermeiden. Dabei spielen die Kohlenhydratmenge, die Kohlenhydratqualität sowie das Ausmaß der bereits vorhandenen Insulinresistenz eine entscheidende Rolle.

Grundsätzlich führt die Zufuhr von Kohlenhydraten zu wesentlich höheren Blutzucker- und Insulinspiegeln als jene von Eiweiß. Allerdings ist Kohlenhydrat nicht gleich Kohlenhydrat. Das Ausmaß der Blutzucker- und Insulinspitzen wird durch die sogenannte Kohlenhydratqualität beeinflusst. Zur genaueren Vorhersage der blutzuckersteigernden Wirkung von Nahrungsmitteln dient der glykämische Index (GI). Dieser sagt aus, wie stark der Kohlenhydratgehalt eines Lebensmittels den Blutzuckerspiegel erhöht. Zur Bestimmung des GI von Nahrungsmitteln wird der Blutzuckeranstieg nach Einnahme von 50 g Kohlenhydraten aus diesem Nahrungsmittel ermittelt und mit dem Blutzuckeranstieg nach 50 g reiner Glukose (Traubenzucker) verglichen, was als Referenzwert herangezogen wird (GI[Glukose] = 100). In anderen Worten: Ein GI von 50 bedeutet, dass der Blutzuckeranstieg nach Verzehr dieses Nahrungsmittels nur halb so hoch ist wie nach Aufnahme der gleichen Menge an Traubenzucker.

Grundsätzlich gilt: Je niedriger der GI eines Nahrungsmittels, desto langsamer und weniger stark steigt der Blutzuckerspiegel an.

GI-Kategorie Wert
Niedriger GI ≤ 55
Mittlerer GI 56–69
Hoher GI ≥ 70

Lebensmittel mit hohem GI (z. B. Süßigkeiten oder Weißmehlprodukte, siehe Tabelle ab S. 37) sollten bei PCOS eher gemieden werden, weil sie einen schnellen Blutzuckeranstieg bewirken und folglich der Insulinspiegel stark ansteigt. Insulin bewirkt daraufhin einerseits die Zuckeraufnahme in Körperzellen, die Triglyzeridsynthese und die Fettablagerung, andererseits steigert es die Androgenproduktion.

Autoren

  • Peter Frigo (Autor:in)

  • Rhea Jabbour (Autor:in)

  • Christoph Deutsch (Autor:in)

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Titel: Ernährung bei PCOS